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Die abflachende Kurve
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Die abflachende Kurve

06.02.2017

Zeit der großen Preissteigerungen vorbei.

" Eine Wette eingehen würde Matthias Woldt wohl noch nicht. Dennoch ist der Immobilienfinanzierungs-Experte ziemlich sicher: „Die Kurve wird abflachen.“ Preissteigerungsraten von bis zu 50 Prozent in knapp vier Jahren, wie sie bei Zwei-Zimmer-Wohnungen mit rund 50 Quadratmetern in angesagten Dresdner Vierteln wie der Äußeren Neustadt zu beobachten waren, „sollten der Vergangenheit angehören“, sagt Woldt. War solch eine Wohnung 2012 noch ab 1 000 Euro pro Quadratmeter zu haben, liege der Einstiegspreis jetzt eher bei 1 500 Euro.

Woldt, der für die Hypo-Vereinsbank das Immobilienfinanzierungsgeschäft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen leitet, hat sein Extrem-Beispiel natürlich bewusst gewählt. Je nach Lage, Größe, Ausstattung und Alter der Wohnungen sind die Zuwächse selbst in Dresden und Leipzig, die als Hotspots des sächsischen Immobilienmarktes gelten, nicht mehr so riesig. Dennoch verzeichnet der jüngste Wohnimmobilien-Marktbericht für Dresden, Chemnitz und Zwickau, den die Bank gestern präsentiert hat, nach wie vor ordentliche Preissteigerungen. Für neu gebaute Eigentumswohnungen in guter Lage werden jetzt in der Landeshauptstadt im Schnitt zwischen 2 900 und 3 900 Euro pro Quadratmeter aufgerufen. 2012, sagt Woldt, hätte man dafür noch ein Domizil in sehr guter Lage bekommen. In Zwickau sei die Entwicklung sehr ähnlich – „mit dem Unterschied, dass sich die Preise dort auf der Hälfte des Dresdner Niveaus bewegen.“

Auch Chemnitz profitiert den Untersuchungen der Bank zufolge derzeit von kontinuierlichem Zuzug und steigender Nachfrage. Das lasse insbesondere die Preise „hochwertiger Wohnungen in Spitzenlage spürbar ansteigen“ – sie liegen jetzt bei bis zu 2 700 Euro für den Quadratmeter.

Die Entwicklung spiegelt sich auch in den Mietpreisen: In Dresden liegt die Spanne der Hypo-Vereinsbank zufolge bei Neuvermietungen für gute Wohnlagen mittlerweile zwischen 7,50 und 10,50 Euro kalt, in Chemnitz sind bis zu 6,25 Euro und in Zwickau bis zu 5,75 Euro Miete zu zahlen. Seit 2012 seien das ebenfalls „deutlich zweistellige Zuwächse“, sagt Matthias Woldt.

Für Karl-Heinz Weiß, den Regionalvorsitzenden des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) in Sachsen und Sachsen-Anhalt, relativiert sich die Entwicklung allerdings, wenn man auf „lange Zeiträume“ schaue. „Wir hatten zuvor zehn Jahre bei den Preisen fast Stillstand, erst in den letzten drei bis vier Jahren diese starken Zuwächse“, betont er. Verteile man die, zeige sich eine „fast normale Entwicklung“. Deshalb geht auch der IVD-Mann davon aus, dass die Preissteigerungskurve auf dem sächsischen Immobilienmarkt abflachen wird. Zumal in Mittelzentren wie Freiberg, Bautzen oder auch Görlitz schon seit geraumer Zeit „stabile Marktverhältnisse“ zu beobachten seien. „Wir werden insgesamt eher eine Seitwärtsentwicklung sehen“, prognostiziert Weiß. Wetten würde er indes – wie auch Matthias Woldt – nur auf eines: Sinkende Preise werde es im Freistaat in naher Zukunft „eher nicht“ geben "

 

Quelle: SZ Online vom 02.02.2017