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Fünf Jahre Aufschwung für Sachsen
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Fünf Jahre Aufschwung für Sachsen

07.07.2017

Konjunkturforscher werden für 2017 und 2018 noch optimistischer

"Das Krisenjahr 2009 mit der Abwrackprämie längst vergessen, auch das Stillstandsjahr 2013 spielt keine Rolle mehr: Sachsen ist im Aufschwung, und der wird bald ins fünfte Jahr gehen. Dabei werden die angekündigten Fabriken von Bosch und Philip Morris in Dresden so schnell gar nicht fertig. Doch Professor Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung wird immer optimistischer. Als er zuletzt im Dezember eine Prognose für dieses Jahr abgab, sagte der Konjunktur-Experte 1,4 Prozent Wachstum für dieses Jahr in Sachsen voraus. Am Donnerstag erhöhte er nun auf 1,9 Prozent für dieses Jahr und 2,0 für das kommende.

Einer der Gründe: Sachsen hat mehr Industrie als die anderen ostdeutschen Länder, etwa Maschinenbau. Also profitiert Sachsen stärker als die Nachbarn davon, wenn Fabrikanten durch das Wachstum zum Anbauen ermutigt werden. Baubetriebe werden noch mehr zu tun bekommen.

Wachstumstreiber: Industrie und Baubranche ziehen an

 

So gut war die Stimmung bei Sachsens Geschäftsleuten noch nie – jedenfalls nach den Umfragen zur Geschäftslage, die das Ifo-Institut seit 1991 auswertet. Vor allem die Industrie trägt jetzt die Konjunktur, sagt Ragnitz. Die Autoindustrie als größte Teilbranche etwa scheint sich von ihrem Einbruch im vorigen Jahr erholt zu haben. In den ersten vier Monaten dieses Jahres lag ihr Umsatz 1,7 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das Interesse an neuen Wohnungen wächst ebenfalls. Eine „Überhitzung“ beim Bauen stellt Ragnitz nicht fest – höchstens in teuren Großstädten wie München sei das möglich. Bauherren müssten allerdings auch darauf achten, nicht „den Leerstand von morgen“ in ländlichen Regionen aufzubauen. Wer jetzt bauen wolle, müsse mit Wartezeiten im Handwerk rechen – und womöglich werde auch „schlampiger“ gebaut, sagte Ragnitz.

 

Arbeit: Osteuropäer bekommen einen Teil der zusätzlichen Jobs

Der Aufschwung hat Sachsen voriges Jahr 23 000 zusätzliche Arbeitsplätze beschert. Im Jahr zuvor war die Zahl der Erwerbstätigen noch leicht gesunken – in den Nachbarländern Sachsen-Anhalt und Thüringen sogar mehrere Jahre lang. Doch dieses Jahr entstehen laut Ifo-Prognose in Ostdeutschland 67 000 neue Stellen, davon in Sachsen 14 000. Ifo-Forscher Michael Weber hat festgestellt, dass die zusätzlichen Stellen häufig mit Ausländern besetzt werden, vor allem aus Osteuropa. In jedem Quartal seit Anfang 2015 haben etwa 7 000 Ausländer in Ostdeutschland ohne Berlin Arbeit gefunden. Ihr Anteil an der Beschäftigung sei dennoch insgesamt klein. Doch wegen der Alterung der einheimischen Bevölkerung zweifelt Weber, ob Ostdeutschland über längere Zeit hohes Wirtschaftswachstum erreichen kann. Der Abstand zum Westniveau verringert sich ohnehin kaum noch. Laut Ragnitz liegt das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen in Sachsen jetzt bei 80,9 Prozent des deutschen Durchschnitts. Der Abstand beträgt also ein Fünftel.

 

Exporte: Weniger nach Osten, mehr in die Europäische Union

Die Unsicherheiten wegen Trump und Brexit haben etwas nachgelassen. Sinkende Exporte nach China und Russland wurden durch EU-Kunden fast ausgeglichen. Ragnitz rät den neuen Ländern, gerade in den nächsten Jahren mehr zu investieren – bevor der Solidarpakt endet und weniger Geld aus dem Westen kommt. Sachsen sei dabei am erfolgreichsten. Dank der Forschungseinrichtungen werde es „gerade in der Region Dresden“ vorangehen."

Quelle: SZ Online v. 23.06.2017