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Sozialwohnungen mit Balkon und zwei Bädern
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Sozialwohnungen mit Balkon und zwei Bädern

06.02.2017

Die Stadt legt neue Kriterien für Unterkünfte für Bedürftige fest. Fördergeld soll die Mieten gering halten.

"In Dresden gibt es rund 300 000 Wohnungen. Diese reichen zwar für die derzeit gut 550 000 Einwohner noch aus, aber da die Bevölkerung weiter wächst, werden weitere Wohnungen benötigt. Die Stadt braucht vor allem günstige Wohnungen, denn etwa 20 Prozent der Dresdner haben ein geringes Einkommen, das sind rund 59 200 Haushalte. Insbesondere für sie ist es schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Deshalb sollen neue Sozialwohnungen gebaut werden.

Der Stadtrat setzt dabei auf die geplante städtische Wohnungsbaugesellschaft. Aber auch Genossenschaften und Private können Sozialwohnungen schaffen. Für diese hat die Stadtverwaltung jetzt Kriterien aufgestellt, die der Rat beschließen soll. Die Vorgaben der Verwaltung klingen nach hohen Erwartungen: So soll jede Sozialwohnung einen Balkon oder eine Loggia und im Erdgeschoss eine Terrasse oder einen Zugang zum Garten haben. Ab drei Zimmern muss Licht und Belüftung aus zwei Himmelsrichtungen gewährleistet sein. Die Grundrisse sollen veränderbar sein, sodass Wände verrückt oder entfernt werden können. Ab fünf Personen braucht die Wohnung ein zweites Bad mit Toilette und Dusche oder Wanne. Ab vier Geschossen wird ein behindertengerechter Aufzug benötigt. Ins Bad muss eine Waschmaschine passen, für jede Wohnung muss es einen Abstell-, im Haus einen Trockenraum, Fahrradabstellplätze und einiges mehr geben.

Außerdem ist festgelegt, wie groß die Wohnungen sein dürfen. Für eine Person sind das maximal 45 Quadratmeter, für zwei Personen 60, ab drei Personen 75, für vier Personen 85 Quadratmeter und für jeden weiteren Mitbewohner maximal zehn Quadratmeter zusätzlich. Kinderzimmer müssen mindestens zehn Quadratmeter groß sein und Aufenthaltsräume für mehrere Personen mindestens 14 Quadratmeter. Wie viele der vorhandenen Wohnungen in Dresden diese Kriterien nicht erfüllen, konnte die Verwaltung auf SZ-Nachfrage nicht beantworten. Die Statistik erfasse die Wohnungsmerkmale nicht, wie sie in der Richtlinie beschrieben werden.

„Es ist höchste Zeit, jetzt mit dem sozialen Wohnungsbau in Dresden zu starten“, sagt Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke). „Die preiswerten Wohnungen sollen eine zeitgemäße und bedarfsgerechte Ausstattung bieten und auch von außen ein ansprechendes Bild abgeben.“ Das werde mit den nun formulierten Vorgaben für Neubauten sichergestellt.

Laut einer Bedarfsanalyse von Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) benötigt Dresden bis 2030 noch etwa 30 000 neue Wohnungen. Für die Sozialwohnungen gibt die Stadt nun vor, dass die Baukosten maximal 2 200 Euro pro Quadratmeter betragen dürfen, weniger sei unrealistisch. Damit die Mieten gering bleiben, die Vermieter aber nicht draufzahlen, gibt es ein Förderprogramm vom Land. Wer nach den Kriterien baut, kann bis zu 680 Euro pro Quadratmeter der Baukosten gefördert bekommen. So kann die Miete um bis zu 3,50 Euro pro Quadratmeter gesenkt werden – im Vergleich zum freien Markt. Der Freistaat hat 140 Millionen Euro bis 2019 zur Verfügung gestellt. Sagen die Vermieter zu, die Mieten für 15 Jahre niedrig zu halten, wären etwa 400 Wohnungen förderfähig. Wie die Nachfrage nach sein wird, vermag Schmidt-Lamontain noch nicht zu beurteilen.

Benötigt werden sie aber. Denn die Statistiken der Stadt besagen, dass die 20 Prozent der Dresdner mit geringem Einkommen bereits 45 Prozent davon fürs Wohnen ausgeben. Die Belegungsrechte für 10 000 Wohnungen bei Vonovia für Bedürftige laufen 2016 aus. Dann muss die Stadt eine Lösung haben. Ein Plan dafür ist, dass die neue Woba mit den Fördermitteln baut. Obwohl die Gesellschaft noch nicht gegründet ist, weil noch Details geklärt werden müssen, plant die städtische Baufirma Stesad bereits 800 neue Wohnungen. Diese soll dann die neue Woba so schnell wie möglich bauen. Bis 2025 sollen 8 000 bis 10 000 Wohnungen entstehen, die die Woba dann verwaltet und vermietet.

Diese Zahl reicht aber nicht, um den Bedarf zu decken. Deshalb setzt die Stadt weiter auf private Investoren, Großvermieter und Genossenschaften, die zusätzliche Wohnungen schaffen sollen. Da der Platz an bebaubaren Grundstücken langsam knapp wird, sollen zudem derzeit leer stehende Wohnungen saniert werden. Der Leerstand liegt derzeit offiziell bei 6,5 Prozent, darin sind aber Ruinen enthalten.

Insgesamt boomt der Wohnungsbau in der Stadt: Seit 2014 wurden rund 3 000 neue Wohnungen gebaut und etwa 5 000 weitere genehmigt. Allerdings steigen die Mieten stetig, weil die Nachfrage groß ist"

 

Quelle: SZ Online vom 01.02.2017